Wer wir sind
ein Interview über das Ankommen und Loslassen – Bestattungsarbeit in Osnabrück
Mein persönlicher Weg
- Mutterschaft zweier Kinder
- Stillberaterin seit 2020
- Hebammenausbildung 2021-2024
- Fortbildungen:
- Ehrenamtliche Hospizbegleitung 2021 bis Heute
- Erschütterung -Trauma -Reifung
- wie Erfahrungen von Kontrollverlust das Leben verändern können (Franziska Maurer, 2023)
- “Pränataldiagnostik” -was geschieht da ? (Franziska Maurer, 2023)
- Fehgeburt begleiten ( Franziska Maurer, 2023)
- Der letzte Hilfekurs (2022)
- Begleitung von Eltern mit Sternenkindern (2023)
- Lehrgang „in Kriesen beistehen”
Wer bist du?
Ich bin Jana – Hebamme, Mutter, Begleiterin. Mich interessieren die Übergänge im Leben, die stillen Momente, in denen alles offen ist. Ich arbeite gern mit Menschen, die sich trauen hinzuschauen – auch dann, wenn es weh tut. Ich mag echte Begegnungen, ehrliche Gespräche, Hände, die etwas tun, und Stille, die nicht leer ist. Ich glaube, dass wir dem Leben am nächsten sind, wenn wir uns berühren lassen – von seiner Zartheit, seiner Endlichkeit und seiner Tiefe. Und ich glaube, dass wir einander halten können – auch dann, wenn es keine Worte gibt.
Was ist dir in deiner Arbeit als Bestatterin besonders wichtig?
Mir ist es ein Anliegen, dass der Tod wieder als Teil des Lebens gesehen werden darf. Ich möchte dazu beitragen, dass wir offener darüber sprechen – in Workshops, in Vorsorgegesprächen oder im konkreten Abschied. Wenn ein Mensch gestorben ist, sehe ich meine Aufgabe darin, Zugehörige zu begleiten und ihnen Momente zu ermöglichen, die sich stimmig anfühlen – im Tempo, in der Form und mit der Tiefe, die sie brauchen. Ich öffne Raum für Trauer in all ihren Facetten – für Stille, Wut, Zärtlichkeit und Erinnerungen. Für mich ist es ein großes Geschenk, Menschen in dieser oft sehr rohen und intimen Zeit begleiten zu dürfen. Dabei möchte ich auch selbst berührbar bleiben.
Jana, was ist deine Rolle bei Amparo?
Ich begleite Menschen in Übergängen – das verbindet meine Arbeit als Hebamme und als Bestatterin. In beiden Rollen geht es um Schwellenmomente: um das Kommen und um das Gehen. Am Anfang eines Lebens halte ich Raum für das Ankommen. Am Ende eines Lebens halte ich Raum für das Loslassen.
Beides braucht Aufmerksamkeit, Vertrauen und den Mut, das Geschehen nicht zu kontrollieren, sondern zuzulassen. Bei Amparo bin ich vor allem Begleiterin. Ich spreche mit Angehörigen, gestalte gemeinsam mit ihnen Abschiede und gebe Halt für das, was in diesen Momenten da ist. Wie in der Geburtshilfe versuche ich, nicht zu viel zu lenken, sondern aufmerksam wahrzunehmen, was gebraucht wird. Für mich liegt in beiden Tätigkeiten derselbe Kern: Achtsamkeit für das Leben – in all seinen Formen, an seinen Anfängen und an seinen Enden. Ich darf dabei sein, wenn etwas Neues beginnt oder etwas zu Ende geht – und beides verdient dieselbe Würde und Menschlichkeit.
Was hast du vom Tod fürs Leben gelernt?
Der Tod hat mir beigebracht, genauer hinzuschauen – auf das Leben, auf Beziehungen, auf das, was wirklich zählt. Er macht vieles stiller und zugleich klarer. Ich habe gelernt, dass nichts bleibt, wie es ist – und dass genau darin eine große Schönheit liegt. Und dass Loslassen kein Gegenspieler von Nähe ist, sondern manchmal ihre ehrlichste Form. Der Tod erinnert mich daran, das Leben nicht festzuhalten, sondern es zu leben – mit Offenheit, mit Staunen und mit Dankbarkeit.
Ewald, wer bist du?
Ich bin Ewald, Tischlermeister – und Vater. Das Handwerk begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich mag das Konkrete, das Greifbare: Holz in der Hand, Formen, die entstehen, wenn man Zeit und Sorgfalt hineinlegt. Mit Amparo hat sich für mich ein Kreis geschlossen. Ich baue nicht einfach etwas – ich gestalte Räume und Formen für den Abschied. Für das, was bleibt.
Was ist dir bei deiner Arbeit als Bestatter wichtig?
„Mir ist wichtig, dass alles in Ruhe und mit Respekt geschieht. Für die Angehörigen soll es klar und greifbar sein – kein zusätzlicher Stress, keine Hektik. Ich möchte, dass sie sich auf jemanden verlassen können, der weiß, was zu tun ist, und der da ist, wenn’s drauf ankommt. Es geht nicht um große Worte, sondern um verlässliches Handeln und echtes Mitgefühl.“
Was heißt für dich selbstbestimmtes Bestatten?
„Dass Menschen so Abschied nehmen dürfen, wie es für sie richtig ist. Nicht nach festen Abläufen, sondern so, wie es passt. Manche wollen viel selbst machen, andere brauchen einfach jemanden, der die Dinge in die Hand nimmt. Beides ist gut. Hauptsache, es bleibt echt, menschlich und machbar.“
Was hast du vom Tod fürs Leben gelernt?
„Dass man die Dinge nicht aufschieben sollte. Dass es hilft, klar zu reden und ehrlich zu handeln. Und dass selbst schwere Momente leichter werden, wenn jemand da ist, der einfach ruhig bleibt. Der Tod gehört dazu – und er zeigt, was im Leben wirklich zählt.“
Was ist deine Rolle bei Amparo?
„Ich kümmere mich um alles Handwerkliche – von der Vorbereitung über den Sargbau bis hin zur Gestaltung des Abschieds. Ich bin jemand, der anpackt, organisiert und mitdenkt. Dabei halte ich den Raum, damit andere loslassen können. Erfahrung hilft, Ruhe zu bewahren, auch wenn’s für die Angehörigen gerade alles andere als ruhig ist.“
Mein persönlicher Weg
- Ausbildung Tischler 1986-1989
- Vaterschaft dreier Kinder
- Meisterschule 2000-2002
- Betriebsgründung Tischlerei Meinberg Möbelmanufaktur 2002
- Übernahme eines Bestattungsunternehmen 2002
- Selbstständige Arbeit als Tischler und Bestatter bis heute.
